Modelle & Methoden

Lean Business Development: Ein Triathlon der Methoden.

Um die Time-to-Market digitaler Produkte radikal zu verkürzen, sollten drei dynamische Modelle kombiniert werden: Lean Prinzipien, Agile und Customer Centricity. Das Ergebnis ist Lean Business Development – ein Triathlon der beschleunigten Innovation. Von Dietmar Matzke, Management Consultant. 

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„Was lernt man schneller? Tempo oder Ausdauer?“ Auf diese Frage antwortete Jan Frodeno, Ironman Hawaii Gewinner von 2016: „Tempo“. Schnelle Sprints sind auch das Credo agiler Methoden. Zusammen mit schlanker, automatisierter und kundenzentrierter Entwicklung erzielt Amazon so alle 11,6 Sekunden Änderungen im Live-System. Etsy kommt sogar auf unglaubliche 10.000 Deployments pro Jahr. Dagegen wirken klassische, auf Ausdauer angelegte Projektpläne wie aus der Zeit gefallen: Digitale Produktinnovation funktioniert nicht im gemächlichen Walkingschritt.

Umso mehr lohnt es sich, die Methoden der digitalen Modellathleten rund um Amazon & Co. für das eigene Unternehmen zu adaptieren und das Tempo in der digitalen Produkt- und Geschäftsentwicklung zu verschärfen. Der Schlüssel heißt Lean Business Development. Lean Prinizipien, Agile und Kundenzentrierung vereinen sich zu einem Triathlon der Dynamik.

Der Streckenplan: Der Start beginnt mit der großen Vision.

Bevor wir uns gleich den einzelnen Disziplinen widmen, sollten wir uns den Streckenplan anschauen, durch den unser Triathlon verläuft. Er dient als übergeordneter Orientierungsrahmen für beschleunigte Innovation.

Triathlon der Innovation: die Streckenabschnitte.

Um im digitalen Wettbewerb vorne dabei zu sein, brauchen Sie vom Start weg eine klare Vision: Welche Mission und welches Versprechen verfolgt ihr Unternehmen? Das sind zentrale Fragen. Die Antwort führt Sie zu Ihrem Markenkern. Bekannte Beispiele sind „Excellence simply delivered“ von DHL oder „Freude am Fahren“ von BMW. In Zukunft leitet dieses Versprechen Ihre Aktivitäten nach innen und außen.

Von der Mission zur digitalen Geschäftsidee.

Ihr erklärtes Ziel heißt nun, Ihre Mission zu monetarisieren. Damit gelangen Sie zum nächsten Streckenabschnitt: der Entwicklung Ihres digitalen Businessmodells. Es soll innovativ sein und Geschäft bringen. Nehmen wir an, Sie kommen auf eine neue Geschäftsmöglichkeit: Sharing Economy. Hier können Plattform-Geschäftsmodelle entwickelt werden, die das konventionelle Geschäft anreichern und für zusätzliche Erlöse sorgen.

Die Zentrifuge der Innovation.

Dennoch: Dass diese neue Geschäftsidee Erfolg haben wird, ist zunächst nur eine Hypothese. Was nun folgt, ist der vielleicht wichtigste Streckenpart: der des Probierens und Lernens in Form einer sich wiederholenden Schleife von der Entwicklung der Plattform/App bis zum Roll-out – oder dem schnellen Verwerfen der Idee. Wir sind nun beim eigentlichen Triathlon der kombinierten Modelle angelangt. Er funktioniert wie eine schnelldrehende Zentrifuge der Innovation.

1. Disziplin: Verankerung der Lean Prinzipien.

Geschwindigkeit im Business Development und in der Produktentwicklung funktioniert im Kern schlank. Zumal: Der Erfolg digitaler Produkte ist kaum noch planbar. Selbst was heute noch funktioniert, wird morgen von neuen Konzepten überholt. Im Wettbewerb der schnellen Ideen gilt es deshalb, im Unternehmen grundlegende Prinzipien des Lean Management einzurichten und zu beachten. Diese sind verkürzt: der Anspruch einer ständigen Verbesserung der Qualität, kompromisslose Kundenorientierung und deshalb die konsequente Etablierung offener Informations- und Feedbackprozesse.
So wie beim Triathlon Schwimmen die erste Disziplin ist, ist jedes neue digitale Geschäftsmodell, Produkt und selbst das kleinste Feature ein Sprung ins kalte Wasser. Ob die Idee das andere Ufer erreicht, ist nicht ausgemacht. Niemand anderes als der Kunde urteilt darüber, ob sie ankommt, sprich: Marktreife erzielt. Umso mehr heißt es, sich als versuchende, lernende Organisation zu entwickeln: Digitales Business ist ein empirischer Prozess.

2. Disziplin: Agil zum Ziel.

Schlank und agil geht’s weiter, allerdings anders als im klassischen Triathlon nicht mit Radfahren, sondern Laufen. Oder besser Sprinten. Über agile Methoden wie Scrum wird das Produkt in kurzen Intervallen designt, entwickelt, automatisiert über eine Deployment Pipeline ausgeliefert und dem Kunden zum Testen und Bewerten übergeben. Jedes Feedback wird ebenfalls automatisch gemessen. Schlank funktioniert die Sprintdisziplin nicht nur über kleine Teams, sondern über die Konzeption des Produktes selbst als Minimum Viable Product (MVP). Das heißt, es ist minimal lebensfähig und kann durchaus Bugs beinhalten. Was zählt, ist die schnellstmögliche Time-to-Market.

3. Disziplin: Den Kunden involvieren und begeistern.

Durch den sich wiederholenden Zyklus des Built/Measure/Learn und über Kundenfeedbacks werden wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Die wichtigste ist, ob die digitale Geschäfts- oder Produktidee überhaupt funktioniert. Das wissen die Innovationsmanager über valide Daten. Und sollte die Idee nicht das Licht der Welt erblickt, wäre dies verschmerzbar – dank geringer Investitionen.

Im Falle des Erfolgs geht es nun darum, den Kunden weiter an die Marke und das Produkt zu binden – durch laufende Angebote attraktiver Customer Journeys und Customer Experiences. Dies reicht von der Attract-Phase etwa durch Online-Kampagnen zur Bewerbung der neuen Geschäftsidee über die Steigerung der Begehrlichkeit durch neue Produktfeatures bis hin zur Einrichtung von Touchpoints zur Begegnung.
Wer diese Abläufe optimal auf Kundenbedürfnisse ausrichtet, schützt sich vor Disruption.

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Ihr Ansprechpartner:
Dietmar Matzke
Management Consultant
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